|
Geschrieben von Kristin Heck
Europameisterschaft der Transplantierten und Dialysepatienten 2008
Würzburg. Universitätsstadt in Unterfranken und Ausrichtungsort einer Europameisterschaft.
Nein – ausnahmsweise geht es mal nicht um Fußball. Es geht um Badminton, Schwimmen, Leichtathletik und 8 weitere Disziplinen in denen sich vom 31. August bis zum 7. September 500 Sportler aus 23 Ländern messen werden.
Doch diese Menschen verbindet mehr als die Liebe zum Sport, sie verbindet dasselbe Schicksal: sie sind organtransplantiert oder/und Dialysepatienten. Mit dieser Veranstaltung, den 5. ETDG (European Transplant and Dialysis Games) wollen sie auch ein Statement setzen – für die Organspende, für die Chance auf Leben.
Sie hätten allen Grund mit sich und der Welt zu hadern. Auch die Jüngsten unter ihnen, noch Kinder, haben schon Schlimmes erlebt. Ihr Leben gleicht einem Terminplan, der sich nach der Einnahme von Medikamenten und/oder den regelmäßigen Terminen zur Dialyse richtet. Doch Trübsal blasen ist nicht angesagt: Mit nahezu unglaublicher Begeisterung widmen sich die Teilnehmer der ETDG ihrem Hobby, dem Sport. Vielleicht haben sie an Lebensqualität eingebüsst, jedoch nicht an ihrer Lebensfreude.
„We LIVE sporty“ ist nicht nur der Slogan der diesjährigen Europameisterschaft, es ist das Motto, das sich viele der Sportler zu eigenen gemacht haben. Denn auch wenn ihrer Krankheit sie täglich auf Schritt und Tritt begleitet, so haben doch sie einen Weg gefunden weiterzumachen und sind damit Vorbilder für Gesunde und Ihresgleichen. Natürlich sind die Meisten der Teilnehmer körperlich beeinträchtigt, weshalb die Auswahl an Sportarten von leichten Disziplinen bis hin zu sehr Trainingsintensiven reicht. „Die Leistungen, die einige der Sportler dabei erbringen, lassen sich durchaus mit denen von gesunden Leistungssportlern vergleichen", erklärt Prof. Dr.-Ing. Peik Bremer, Leiter des Organisationskomitees. Das beweist auch die Teilnahme von zwei Olympiateilnehmern.
Über dem Erzielen von sportlichen Bestleistungen stehen bei den ETDG allerdings die internationale Begegnung und der Austausch – das heißt für die Organisatoren viel Arbeit. Die Sportstätten müssen hergerichtet, Hotels gebucht und Transporte organisiert werden. Bei dieser außergewöhnlichen Sportveranstaltung kommt jedoch noch ein weiterer Punkt hinzu, den es zu organisieren gilt: die Dialyse. „60 Teilnehmer müssen etwa drei Mal während dieser Woche zur Blutwäsche“, verrät Bremer. Eine Herausforderung, nicht nur für die Veranstalter, sondern auch für die Dialyse-Zentren in und um Würzburg herum.
Nicht alles kann schon im Vorfeld der Spiele geregelt werden. Die eigentliche Arbeit beginnt erst am Abend des 30. August, wenn die ersten 50 Teilnehmer aus Griechenland am Frankfurt International Airport eintreffen. Am nächsten Tag folgen die weiteren 450 Gäste per Flugzeug, Zug und Auto zu verschiedensten Zeiten, an unterschiedlichen Orten. Ein Stoß ins kalte Wasser, aber auch der langersehnte Startschuss für alle Volunteers. Kaum einer von ihnen fürchtet die Flut an Aufgaben, die sie langsam aber sich gefangen nimmt. Viel mehr sehen sie die Woche als Chance für interkulturelle Begegnungen und das Arbeiten in einem motiviertem Team aus Freiwilligen. „Wie bei Olympiaden oder der Fußball WM brauchen wir ein kleines Heer an Freiwilligen, die Freude am Sport und internationalen Kontakten haben“, so der Aufruf Bremers. Unterstützt werden die Organisatoren dabei von der Dirk Nowitzki Stiftung. „Die EM ist für die Athleten und Volunteers eine einmalige Möglichkeit, sowohl sportliche wie soziale Brücken zu schlagen“, erläutert Vorsitzende Silke Nowitzki das Motiv ihres Supports und spricht damit allen Beteiligenten aus der Seele.
|